Zum Trommelworkshop an den Polarkreis

Schüler der Black Forest Academy komponiert für Festival „Nordic Light“

Kandern (bcm). Grönland, Island, Finnland. Für Tyler Kramlich war es ein außergewöhnlicher Sommer. Der 17-Jährige BFA-Schüler erhielt ein Stipendium für das „Nordic Light Festival“. Unter Anleitung bekannter nordischer Musiker lernte er das Spielen auf der Inuit-Trommel sowie den traditionellen Gesang der Samen, das Joiken.

Das „Nordic Light Festival“ bringt jedes Jahr 325 junge Musiker, Schauspieler, Artisten und Filmemacher aus Skandinavien zusammen. Höhepunkt und Abschluss der Workshops ist die Uraufführung eines Werkes, das eigens erarbeitet wird. Tyler Kramlich hatte sich für das Stipendium mit einem Video beworben. Der 17-Jährige Amerikaner wuchs in Schweden auf und besitzt die Schwedische Staatsbürgerschaft. „In Schweden spielte Musik eine große Rolle“, erzählt Tylers Mutter, Debbie Kramlich. Von klein auf lernte Tyler Blockflöte, später kamen Klavier, Cello und Saxophon hinzu. Sein erstes Stück komponierte er bereits mit fünf Jahren. „Musik ist mein Medium, um Emotionen und Gedanken auszudrücken“, erzählt Tyler.

Als ein ehemaliger Lehrer ihn auf das Nordic Light Festival aufmerksam mache, bewarb sich Tyler mit einem Video, auf dem er unterschiedliche Instrumente spielte und ein von ihm komponiertes Stück einreichte. Gemeinsam mit 14 anderen Jugendlichen wurde er für den Musikworkshop ausgewählt. Die Gruppe reiste zunächst nach Illulissat, Grönland. Die Stadt liegt 200 Kilometer nördlich vom Polarkreis. „Sämtliche Häuser sind auf Stelzen gebaut und die gesamte Abwasserleitung verläuft oberirdisch“, erzählt Tyler über seine Eindrücke. Auch die vielen Schlittenhunde vor den Häusern fielen ihm auf. Höhepunkt war ein Bootsausflug zu den Eisbergen, die vor der Küste trieben.

Während drei Tagen lernten sie die Kultur der Inuit kennen und erhielten Unterricht im Spielen der Inuit-Trommel. Das Fell der Trommel ist aus der Magenhaut von Eisbären gefertigt. Bei ihr wird nicht auf das Fell, sondern auf den hölzernen Ring geschlagen. „Wir hatten 24 Stunden Tageslicht, das bringt deinen Rhythmus ganz schön durcheinander. Man weiß überhaupt nicht, wann man schlafen soll, weil man nicht müde wird“, berichtet Tyler über die Zeit in Grönland. Zum Essen gab es viel Fisch und Yak-Fleisch.

Danach flog die Gruppe nach Island. Die Hauptstadt Reykjavik ist bekannt für avantgardistische elektronische Musik und dort stand das Experimentieren Computersounds im Mittelpunkt. Und weiter führte die Reise in den Norden Finnlands.

Der Workshopleiter für samischen Gesang war kein anderer als der bekannte Norwegische Musiker Frode Fjelheim, der den Titelsong für den bekannten Disney Film „Die Eiskönigin“ komponierte. Während des Seminars studierte Tyler den traditionellen Gesang der Samen, das Joiken. Um die eintönigen, gutturalen Töne hervorzubringen, bedarf es einer ganz speziellen Technik. Von Fjelheim erhielt Tyler ein großes Lob für seine Musikstücke. Gleichzeitig gab ihm der Komponist einen Tipp mit auf den Weg: „Ich muss bei der Bearbeitung darauf achten, nicht zu viel in ein Stück zu packen, sondern mich auf ein Thema zu konzentrieren und das weiter in die Tiefe führen“, erzählt Tyler.

Nach den zehntätigen Workshops trafen alle 325 Teilnehmer in der finnischen Stadt Joensuu für das Abschlusskonzert ein. Tyler wurde mit der Komposition und Zusammenstellung der Musik beauftragt. Keine einfache Aufgabe für den 17-Jährigen. „Das hat mir doch einige schlaflose Nächte beschert“, meint er. Er wählte überwiegend klassische Elemente, in die er ein Joik-Thema einbaute.

Die Show wurde im Juli auf einer Open Air Bühne am Ufer eines Sees vor 2000 Zuschauern aufgeführt. Dabei hatte Tyler mit seinem Cello einen außergewöhnlichen Auftritt: Gemeinsam mit einer Flötistin und einem Violinisten in einem Boot sitzend, das über die Lagune gezogen wurde.

Für den Schüler war die Teilnahme eine der „größten Erfahrungen in meinem Leben.“ Für das anstehe Studium will sich Tyler Kramlich nicht ausschließlich auf Musik festlegen. „Musik und das Komponieren von Stücken wird immer Teil meines Lebens sein. Ob beruflich oder einfach aus Freude an der Musik.“