Zwei Großkunden und ein neuer Mitarbeiter: das Tonstudio lebt! 

Benjamin:  Du bist seit April Mitarbeiter im Tonstudio. Wie sieht denn so ein durchschnittlicher Tag im Leben des Benny Heckmann aus?

Ein durchschnittlicher Tag startet mit Emails lesen, Emails beantworten und anschließend die aktuellen Projekte bearbeiten. Die meiste Zeit der Arbeit verbringe ich am Computer – ohne den geht bei uns nichts. Mittags gibt es gelegentlich ein gemeinsames Essen mit den Kollegen und anschließend geht es wieder an die ToDos.


Dieser Ablauf sieht anders aus, wenn Aufnahmen anstehen. Dann heißt es, rechtzeitig Equipment aufzubauen, alles zu testen und so herzurichten, damit sich der Kunde wohlfühlt und sofort anfangen kann zu arbeiten.

Erzähl mal: Wie kamst du zu uns?

Nach meiner Ausbildung bei der SchallWerkStadt (!) absolvierte ich den „Bachelor of Science in Audio Production“ am SAE Institut in Stuttgart und arbeitete anschließend fünf Monate am Stage Palladium Theater.


Schon seit ein paar Jahren hatte ich den Wunsch, dass das Janz Tonstudio wieder am Markt aktiv wird und diese Gedanken teilte ich mit Greg. Im Oktober 2015 gab es die ersten konkreten Gespräche über eine mögliche Mitarbeit meinerseits. Im März war dann klar, dass ich tatsächlich hier anfangen kann zu arbeiten. Im April bin ich schließlich ins schöne Dreiländereck gezogen.

Neben dem attraktiven Kunden „Biblica“, und der neuen Version von „Hoffnung für alle“, die weltweit vertrieben wird, konnte ein ganz großer Kunde gewonnen werden:

Wir hatten tatsächlich vor kurzem die außergewöhnliche Möglichkeit die Sprachaufnahmen für die deutsche Übersetzung einer Verfilmung der Evangelien durchzuführen. Es war ein spannendes, aufwendiges und anstrengendes Projekt in jeder Hinsicht.

Mal sehen, ob da in Zukunft Folgeaufträge kommen, denn das ist ein großes und ambitioniertes Projekt und es soll wohl noch mehr kommen. Es lohnt sich mal auf https://www.lumoproject.com vorbeizuschauen oder auch die Making Off Dokus unter https://www.youtube.com/channel/UCjiDMt6Lm1jYQvSp4BROWVw anzusehen.

Dazu oder daneben hast du mit Greg eine neue CD für die Gemeinde G5 gemischt. Wie war das?

„König“ ist eine tolle Produktion mit einer außergewöhnlichen Herangehensweise, da die endgültigen Spuren bis kurz vor Ende reingerieselt kamen und wir uns immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen mussten. Man könnte sagen es war ein „Just in Time Projekt“ und daher besonders spannend.

Natürlich ist es schön, schon nach wenigen Wochen seinen Namen auf der ersten CD zu sehen, aber der eigentliche Wert der Produktion ist die Verbreitung toller deutscher Lobpreismusik abseits dessen was man schon kennt. DMMK (Abk. für „Die Musik Meiner Kirche“) bringt meiner Meinung nach neuen Schwung in die christliche Szene. Sie spielen bei großen Festivals wie den FeG Kongressen oder dem Christival und auch die Zeitschrift Dran Next ist mittlerweile aufmerksam geworden und hat einen tollen Artikel geschrieben. Ich habe zudem von vielen positiven Stimmen und Bewertungen der CD gehört.

Auch hast du Doris Dück,  Luise Gramsch und andere Personen der SchallWerkStadt aufgemischt….

(lacht) Ja, aufgemischt ist das richtige Wort. Sollte ich mir merken, denn darin steckt aufgenommen und gemischt, eben genau das was ich bei diesen Produktionen gemacht habe.


Mit diesen jungen, talentierten Menschen zu arbeiten war eine große Freude und willkommene Abwechslung inmitten der großen Projekte. Luises CD „Von Tausend Farben“ gibt es mittlerweile auch zu kaufen. Wer gerne mehr wissen möchte, dem sei https://luisehermusic.jimdo.com empfohlen.

Du hast Regeln für das Editing aufgestellt  – zum Beispiel? Lese ich richtig, dass es gilt, auch sonst hier und da Prozesse zu definieren?

Zum Beispiel, dass die Stille vor dem ersten Wort eines Kapitels exakt 300 Millisekunden lang sein muss. Grund hierfür sind exakte vertraglich festgelegte Werte, an die wir uns halten müssen.


Bei Prozessen und Regeln für das Editing geht es insbesondere darum, gemeinsame standardisierte Abläufe zu haben, um den Überblick über Dateien zu behalten und uneingeschränkte Kompatibilität zu gewährleisten. Auch den Einsatz von technischen Hilfsmitteln gilt es zu definieren wenn mehrere Menschen am gleichen Projekt arbeiten. Ein Stichwort ist Qualitätssicherung: Nur wenn jeder exakt weiß, was er tun und lassen muss, ist Konsistenz im Produkt erreichbar. Bei über 90 Stunden fertigem Audiomaterial soll eben jedes Buch klanglich gleich sein, auch wenn zwischen den Aufnahmen Monate liegen. Wenn man von Prozessen spricht kommt spätestens beim Thema Datensicherung Langeweile auf aber wenn man das nicht definiert und konsequent betreibt kann es einem das Genick brechen. Das muss man definieren und sich auf jeden Mitarbeiter verlassen können.

Was steht denn sonst noch so in deiner job description? Könntest du uns in ein paar Ziele deiner Arbeit leuchten?

Junior Sound Engineer, mehr steht da nicht drin 😉

Ziele sind ja immer kurz-, mittel- und langfristig. Kurzfristig geht es in erster Linie um die reibungslose Planung und Durchführung der Projekte im Haus. Da wäre die job description wohl „Mädchen für alles“ (grinst), man muss sich im täglichen Ablauf eben genauso um Reinigung und Einkäufe kümmern wie um Aufnahmen, Editing, Mischung und Kundenkontakt. Derzeit bin ich sehr mit dem Tagesgeschäft beschäftigt, aber ein wichtiges mittelfristiges Ziel ist die Erstellung von Plänen für die Zukunft, sowie Marketingmaßnahmen.


Wir sind hier am Anfang, aber ich bin mir sicher, dass wir von Gott einen Platz und Auftrag haben. Diesem Auftrag möchte ich nachkommen.

Nehmen wir mal an, du hättest ein DreamTeam, das dir zuarbeiten würde und ein fettes Budget. Was würdest du im Tonstudio damit anfangen?

Zum einen würde ich Aufgaben optimal an das Dream Team verteilen und zum anderen kompromisslos alle Veränderungen vornehmen, die uns helfen, besseren Service und besseren Sound zu bieten. Details aufzuzählen führt hier zu weit, aber technische und akustische Optimierungen wären offensichtliche Beispiele. Ein Traum von mir sind Studiomöbel, die ergonomisch optimal einstellbar sind, zum Beispiel höhenverstellbare Arbeitsplätze, sodass man abwechselnd stehend oder sitzend arbeiten kann. Das ist mit der ganzen Technik gar nicht so einfach realisierbar (es sind schließlich nicht nur Ordner und ein Computer).

Würdest du diesen Satz für uns beenden? Im Tonstudio sorge ich dafür, dass….

es läuft.

Stellst du uns deine Kollegen vor?  

Greg Davis ist der Leiter des Studios – ein Mann mit viel Erfahrung und für mich Mentor, Freund, Chef und Kollege. Er war die Konstante des Studios über die letzten Jahre und hat immer die Stellung gehalten, egal wie die Situation war. Mit „Proclaim“ ist er zudem als Musiker auf der ganzen Welt unterwegs.

Heinrich Reisich wurde letzten Herbst Teil der Tonstudio Belegschaft und ist Hauptproduzent der Hörbibel. Er ist fast bei jeder Aufnahme-Session der Hörbibel dabei und editiert viele Bücher. Zudem ist er Hauptansprechpartner für den Fontis-Verlag und war maßgeblich an der Auswahl der Sprecher und den Vertragsverhandlungen beteiligt.

John Dueck ist bereits seit 1965 bei Janz Team / Teach Beyond. All seine Weisheit und Erfahrung bringt er mit Herz ein. Er ist Engineer bei einigen Hörbibel Aufnahmen, editiert Bücher der Hörbibel und kümmert sich um Pflege und Reparatur von Equipment.

Die Welt der Musikproduktionen ist für uns Laien manchmal nicht so leicht zu verstehen. Wäre es möglich, für die Dummen unter uns 🙂 ein paar Fachbegriffe zu übersetzen? 

Glossar:

„Audio Engineering“ Technische Umsetzung von Aufnahme, Bearbeitung und Wiedergabe von Ton. Ein Audio Engineer löst Probleme, von denen du gar nicht wusstest, dass du sie hast.

„Vorproduktion/ Pre-Production“ Den Künstler oder Kunden ausquetschen, um zu wissen, wo die Reise hingehen soll.

Sampeln“ Einzelne Klänge aus Instrumenten oder bestehenden Produktionen extrahieren- mit dem Ziel, daraus etwas Neues zu erschaffen.

„Editing“ Nach der Aufnahme alles Krumme gerade rücken, um es beim Mischen mit Goldstaub zu bestreuen.

„Mischen“ Der Goldstaub 🙂 Einzelne Klangereignisse so bearbeiten und zusammenfügen, dass sie ein harmonisches Ganzes ergeben. Wichtigste Weisheit: Ein Mischpult ist keine Kläranlage. Nur exzellentes Material kann ein exzellentes Produkt ergeben.

„Pre-Mastering“ Der letzte Schliff für eine Produktion, wobei das Produkt technisch und klanglich auf die Veröffentlichung vorbereitet wird.

„Pro Tools“ Die Software, mit der ich täglich arbeite.

Lieber Benny, vielen Dank für dieses Gespräch!